Geschätzter Herr O-Ton,

Justin Vernon und seine zur Band angewachsene Musikerhülse Bon Iver befanden sich 2008 noch in ihrer eigenen Folk-/Singer-Songwriter-Nische. Für mich als damaliger radikaler Folkophober war es einfach, sich dem Anhören von Bon Ivers Debütalbums For Emma, Forever Ago (2008) zu entziehen. Bon Iver, eine Verstümmelung von „bon hiver“ (Frz. für: guter Winter), war damals einfach nur der Künstlername von Justin Vernon, über die er seine karge Musik an die Leute vermitteln konnte. Zwar war seine reduzierte und dadurch direkt durchdringende Musik überhaupt nicht meins, konnte aber anscheinend die Herzen vieler Menschen wie auch deines, Herr O-Ton, verzaubern. Alle Musikkritiker (online wie offline) schienen das Album sehr gerne zu haben.

Sein Image war damals klar definiert: einsamer Kerl mit zauseligem Bart, für den er eigentlich zu jung zum Tragen ist, hat Liebeskummer und flieht mit schwerem Herzen vor der Zivilisation. Er versteckt sich sodann in einer kleiner Holzhütte mitten in einem verschneiten Wald, wärmt sich durch den Kamin und seine Flanellhemden auf, und erträgt lieber den Winter als neue Schmerzen, die ihm die nun fernen Menschen zufügen könnten. Dabei klimpert er an seiner Gitarre und schreibt Songs.

Nach einer EP wurde aber vieles anders. In Justins Herzen wurde es langsam Frühling, er setzte die Wollmütze ab, kroch aus seinem Refugium, umgab sich wieder mit mehr Leuten und vielen Musikern. Er ließ sich die Kopfhaare stutzen, stylete sich vermehrt Sonnenbrillen und baute sein Selbstbewusstsein wieder auf. Nicht nur, dass zahlreiche Nebenprojekte (Gaygns, Volcano Choir, Kanye Wests fünftes Album) auf seinem Weg zum Indie-Startum entwickelt wurden, es schlossen sich ihm dadurch auch drei musikalische Gefährten an, die nun auch im Bon-Iversum (haha) Platz finden.

Die vierköpfige Band Bon Iver, die sie nun ist, erschafft dank Justin Vernons neuen urbanen Einflüssen wie Saxofon-Klänge, Indie-Rockismen und genereller Kollaborations- und Experimentierlust ein zweites Album, das wahlweise Bon Iver oder Bon Iver, Bon Iver genannt wird. Das vielschichtiger gewordene Album mit der Kartografie teils abstrakter Orte („Michicant“, „Wash.“, Hinnom, TX“) wird zum endgültigen Durchbruch für ihn. Ein fabelhafter Platz 2 in den amerikanischen Billboard-Charts wird erreicht, der parallele Blog-Hype um Bon Iver nimmt kein Ende mehr, er und seine Mannen sind und bleiben bis heute in aller Indie-Gossip-Munde.

Und nun schafft er es auch, mich musikalisch zu bezirzen. Schlusstrack „Beth/Rest“ ist in der Albumversion (die Solo-Pianoversion ist toller) noch immer schwer zu verdauen, doch die anderen acht Songs umschmeicheln mit nach Weite klingender Musik meine Ohren trotz Spuren von Folk und Country (welche während des Hörvorgangs bewusst überhört werden). Atmosphäre, bis mein Gehörgang reicht, das schafften dieses Jahr bisher nur James Blake und Destroyer.

Die Single „Calgary“ klingt wie ein Radio-Hit aus einer besseren Welt.

Und „Holocene“ funktioniert wie ein irdischer Sigur Rós-Song. Gleichzeitig sind das auch meine zwei Lieblingssongs daraus.

Hör dir, lieber Herr O-Ton, das Album noch ein/zwei Male öfter in einem Rutsch an, vielleicht wächst es ja noch bei dir. Ich weiß, dir ist der einsame Justin von 2008 lieber. Und wenn dir das Album noch nicht reicht, kannst du ja auf dem Indie-Blog Stereogum nach den Coverversionen von Björk- und Bonnie Raitt-Songs suchen. Und dass ich Bon Iver nach seiner musikalischen wie optischen Verwandlung interessanter und irgendwie sexy finde, versteht sich eh von selbst.

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12.9.2011 9:03

Lieber Herr A-Ton,

ich habe tatsächlich viel Bon Iver gehört in der letzten Woche, wie Du ja an meinen tweekly Top-3 schon gesehen hast. Aber nicht nur das zweite, sondern eben auch das erste Album, welches mir im Februar 2009 das erste Mal untergekommen ist. Ich fand das Album damals sehr ungewöhnlich. Da hatte es jemand geschafft, noch melancholischer zu klingen als Scott Matthew oder Antony Hagerty (und dabei ist der hetero…!) Wiederbegegnet ist mir Bon Iver dann beim Konzert von den Local Natives, wo die Platte im Vorprogramm lief. Ich hatte es direkt erkannt, aber natürlich, wie so oft keinen Namen parat und als dann das Mädel am Eingang sagte, es handele sich um den tollen Bon (H)iver, dachte ich, sie müsse sich vertun, weil mir der Name nichts sagte. Dabei hatte sie ihn nur richtig ausgesprochen. Auf jeden Fall dachte ich damals, bei dem hätte ich auch nciht gedacht, dass er mal eine breitere Öffentlichkeit ereicht.

Für Folk ist es doch sehr langsam, er zieht ja beinahe jeden Ton in die Länge und wäre da nicht die Gitarre, sondern elektronische Sounds als Begleitung, würde man es auch nicht mehr als Folk bezeichnen. Ich glaube, deshalb passt er auch gut zu James Blake, weil die beiden sich in der Atmosphäre ihrer Songs sehr ähnlich sind. Justin Vernons Stimme würde wohl auch nicht zu einer anderen Art Musik passen, schon gar nicht zu knackigem Folk.

Was die beiden Alben anbelangt finde ich deshalb auch, dass es gar keinen so großen Unterschied gibt. Die neue ist etwas frischer, größer instrumentiert, aber von der Grundstimmung her doch sehr ähnlich wie Emma, forever ago… Ob das jetzt nur an der Stimme liegt, weiss ich nicht! Auf jeden Fall höre ich jetzt beide gerne. Noch erwähnen möchte ich seine EP Blood Bank, die 4 sehr schöne Tracks enthält. Vor allem der Titel Woods erinnert doch sehr stark an James Blake, oder? (Hier leider nur mit einem Bild aus der UK-Serie Skins, die mich teilweise ja auf tolle Musik gebracht hat)

Und hier noch das Video zu The Wolves (Act I and II), bei dem ich dann dachte, okay, der kommt aber schon aus der Folk-Richtung 😉

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12.09.2011, 17:46

Hallo, Herr O-Ton,

also ich habe mir heute als noch immer nicht von Folk-Musik begeisterter Mensch tatsächlich das erste Album For Emma, Forever Ago (2008) angehört. In Gänze. Und ich muss sagen, dass es nicht so eine qualvolle Angelegenheit geworden ist wie befürchtet. Tatsächlich finde ich manche Stellen auf dem Album ganz okay, die zweite Hälfte davon nämlich. „Flume“ und „Skinny Love“ sind mir jedoch zu typisch folkig, das ganze Album berührt mich längst nicht so sehr wie das nach Weite, Nebel und Ozean klingende zweite und durchaus gelungene zweite Album (2011).

Bin noch nicht dazu gekommen, die Blood Bank EP mir anzuhören, da sie nicht streamable ist auf simfy. Vielleicht gefällt sie mir ja. Und, ich muss dir ein wenig widersprechen, Ähnlichkeiten sehe ich nur wenige zwischen Album Nr. 1 und Nr. 2, da letzteres weitaus langsamer, komplexer, unbestimmter, vielschichtiger und noch weitaus unfolkiger geraten ist als das erstere. Das sieht man vor allem an den wie Chiffren funktionierenden Texten, die sind sehr indirekt und „impressionistisch“ (Pitchfork).

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Franz-Dinda-Tattoo "Elvis"

Werter Herr O-Ton,

Die vergangene Kalenderwoche 35 wird wieder aufgerollt. Zunächst einmal meine Lieblingssongs der 35. Woche (28.08. – 04.09.2011):

01 (03) Hooray for Earth – No Love
02 (01) Hooray for Earth – Surrounded by Your Friends
03 (NEU) Frank Ocean – Thinking About You
04 (NEU) Beyoncé – Love on Top
05 (NEU) Bon Iver – Perth
06 (02) Wild Beasts – Catherine Wheel
07 (09) James Blake & Bon Iver – Fall Creek Boys Choir
08 (NEU) Bon Iver – Beth/Rest (Solo Piano Version)
09 (16) Hooray for Earth – Sails
10 (WE) The Rapture – How Deep Is Your Love

Die Neueinsteiger auf den Plätzen 3 bis 5 (und auf 8 ) haben indirekt alle miteinander etwas zu tun, denn sie haben alle bei Jay-Zs und Kanye Wests Projekt Watch the Throne (2011) mitgewirkt.

Frank Ocean zum Beispiel war das Feature des ersten Tracks „No Church in the Wild“. Noch besser jedoch ist „Thinking About You“, womöglich es der bis dato beste Track des OFWGKTA-Mitglieds (Odd Future, Tyler, The Creator und so), weil es ein so erfrischendes und doch nicht kitschiges R’n’B-Lied ist. Besser produziert als die Sachen auf seinem Album Nostalgia, Ultra (2011) ist es sogar noch!

Nochmal R’n’B: auch Beyoncé sang auf dem Album ihres Mannes und dessen Buddy ein paar Strophen, nämlich auf „Lift Off“. Aber „Love on Top“ fanden Jay-Z und Kanye West aber wohl auch ganz toll, denn dessen Performance aus 4 (2011) nahm sie auch gleich als PR-Trittbrett, um stolz ihren noch unvoluminösen Babybauch am Ende warmzurubbeln. Ist trotzdem ein sehr mitreißendes und gute Laune machendes Highlight aus ihrem Album.

Und Bon Iver macht dauernd von sich reden, zumindest im Indie-Musik-freundlichen Blog-Mikrokosmos. Sei es ein MTV-Diss auf seinem Blog, als Mitbeteiligter bei der Jay-Z-Kanye-Kollabo „That’s My Bitch“, beim anderen großen Jointventure mit James Blake (dazu gleich mehr) oder die pianobasierte Soloversion von „Beth/Rest“. Die Originalversion dieses Songs aus seinem zweiten selbstbetitelten Album polarisiert stark, Herr O-Ton kann ein Lied davon singen. Doch die „Solo Piano Version“ ist ungleich reduzierter und weniger zugekleistert mit Synthie-Käse oder Saxofon-Schmalz. Ähnelt eher der großartigen Coverversion von „I Can’t Make You Love Me / Nick of Time“ (Bonnie Raitt), mein persönlicher Song des Monats Juli.

So weit ist es mit „Fall Creek Boys Choir“ noch nicht für August oder September. Der Track ist ein wenig enttäuschend, da man schon bessere Oden von James Blake oder Bon Iver einzeln gehört hatte. Nichtsdestrotrotz weiß diese sinnliche Single zu gefallen. Justin Vernon von Bon Iver singt in gewisser Weise über ein James-Blake-Track und wird von diesem stimmlich dank Autotune verzerrt. Spannender ist es jedoch für mich, mir vorstellen, ob James und Justin auch ein Duett konzipiert , und gar ein gemeinsames Album der Jay-Kanye-Sorte geplant haben, ob sie privat Buddies geworden sind, und ob sie vielleicht sogar herumschmusen. Letzteres ist eine sehr verlockende Vorstellung…

Was gibt’s Neues aus den Wohnzimmer-Lautsprechern, bzw. aus den Kopfhörern von dir, lieber Herr O-Ton?

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Hallo A-Ton,

nicht viel Neues, wenn auch neu in der Top Ten, gab es letzte Woche auf meinen Ohren:

01 (NEU) Band of Horses
02 (NEU) Alela Diane
03 (NEU) Howard Shore
04 (NEU) Sinéad O’Connor
05 (NEU) Ray LaMontagne
06 (NEU) The Album Leaf
07 (NEU) Dylan LeBlanc
08 (NEU) Laura Marling
09 (NEU) Asa
10 (NEU) Nikos Mamangakis

Die Band of Horses habe ich irgendwie durch Zufall wieder entdeckt. Vor einiger Zeit mal gehört, aber nicht für gut befunden, haben sie jetzt voll eingeschlagen und passten irgendwie zu meiner Stimmung und den vielen Wegen mit dem iPod letzte Woche. Alela Dianes Album The Pirate’s Gospel hat mich mal wieder auf die Weltmeere entführt und Howard Shore war Hintergrundmusik für viel Stunden Grafikarbeit (OST Lord of the Ring). So auch Sinéad O’Conner, Ray LaMontagne, The Album Leaf und Asa. Dylan LeBlanc fand ich mal gut, wollte ich jetzt nochmal hören und dacht hmmmm, okay…. 😉 Genauso Laura Marling.

Nikos Mamangakis fällt da natürlich etwas raus. Ich habe in letzter Zeit die Serie „Heimat“ von Edgar Reitz immer mal wieder zu Entspannung geschaut. Der Soundtrack von Nikos Mamangakis ist somit mit vielen Bildern aus der ersten Staffel verbunden und wohl eher ein melancholischer Hörgenuss! Zur Musik von „Heimat“ könnte ich aber mal einen eigenen Thread machen.

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07.09.2011, 17:45

Tach, Herr O-Ton,

und jetzt folgen meine meistgehörten Bands und KünstlerInnen der letzten sieben Tage, von denen viele genauso und ähnlich oft gehört wurden, sodass es oft ein Unentschieden gab:

Platz #01 teilen sich The Rapture [Wiedereinstieg wegen des neuen vierten Albums] und Bon Iver [WE wegen Blake-Bon-Kollaboration und der nicht enden wollenden Indie-Blogs-Berichterstattungen].

Auf Platz #03 ist Platz für die Damen Beyoncé [WE wegen VMA-Auftritt] und Feist [WE, weil ich mich nach ihrem neuen Album sehne].

Platz #05 geht sowohl an den US-Rapper Saigon [Neueinstieg, weil in der Blogosphäre schon lange bejubelt] als auch an den UK-Alleskönner Dev Hynes alias Blood Orange [NEU wegen Entdeckung des Albums Coastal Grooves (2011)] und, wieder ist Justin Vernon dabei, an die Kollabo des Jahres James Blake & Bon Iver [NEU wegen Release von „Fall Creek Boys Choir“].

Auf #08 ist der große Prince [WE wegen laut.de-Meilensteinigung von Sign ˈOˈ The Times (1987) letzte Woche].

Auf Platz #09 befindet sich die Geht-immer-Band Spoon [WE].

Und auf der #10 sitzt der Altmeister Brian Eno [NEU wegen Entdeckung des eher enttäuschenden Klassikers Another Green World (1975)].

Kann leider mit vielen deiner letztwöchigen Lieblingsartists nicht viel anfangen. Alela Diane? Laura Marling? Asa? Band of Horses? Gähn. Und: Who the fuck is Nikos Mamangakis???

Lieber Herr A-Ton,

aus gegebenem Anlass gibt es heute noch eine Geburtstagsgratulation. Weil wir uns vor kurzem über Glamrock und Drama in der Musik unterhalten haben, passt das glaube ich heute ganz gut rein.

Es geht um einen Künstler und eine Band, die natürlich zu meiner Zeit noch sehr präsent waren: Freddy Mercury, der heute 65 geworden wäre, und Queen.

Meine erste (Vinyl-)Platte von Queen war The Miracle. Ich weiss nicht mehr so genau warum und wie, aber ich hab sie von einem Freund bekommen, ich glaube, im Tausch gegen irgendwas anderes. Es ist dieses Album mit den vier Köpfen vornedrauf, die aber so zusammengeschnitten waren als wäre es ein Kopf mit vier Mündern und sechs Augen. Ich war so ungefähr 15 und kannte Queen noch nicht, weil wir hatten noch kein Musikfernsehen. Auf jeden Fall erinnere ich mich, dass ich das Cover immer wieder angucken musste, weil ich es so abgefahren fand. Damals wie heute, als Photoshopnutzer, denkt man sich natürlich, wie haben die das gemacht? Mein Lieblingssong war damals The Invisble Man, bei dem ich des öfteren meinen Hifi-Turm zum wackeln brachte, weil ich, pirhuettendrehend mit den Kopfhöhern auf, mal wieder gegen das Bett gekracht war.

Heute weiss ich, dass das Album und die nachfolgenden von den ersten Queen-Fans gehasst wurde, weil es, wie man heute sagen würde, zu sehr Pop war.

Wenn man sich heute Freddy Mercurys Perfomances oder Interviews anschaut, ist es natürlich klar, dass er schwul war. Aber ich glaube der großen Öffentlichkeit war das gar nicht bewusst. Ganz deutlich erinnere ich mich an den Tag an dem Freddy starb, da hat mein italienischer Kollege Giovanni, stockhetero, geweint.

Rein musikalisch ist Queen ja sehr unterschiedlich. Klar, der Fokus auf den Instrumenten und der Stimme blieb natürlich immer bestehen, aber man kann sagen, dass sie das Optimum an Spannweite geleistet haben, entsprechend ihren Fähigkeiten und den damaligen technischen Mitteln. Man denke nur an den Bogen von We will rock you oder We are the Champions zu so komplexen Songs wie Bohemian Rhapsody oder Innuendo! Diese Wandlungsfähigkeit hat ihnen glaube ich auch zu diesem Sonderplatz in der Musikgeschichte verholfen. Im Prinzip war das die gleiche Wandlungsfähigkeit wie bei Madonna oder David Bowie, deren Starkonzept bei neuen Platten komplett neu erfunden wurde.

Happy Birthday Freddy

Lieber Herr A-Ton,

ich würde ja jetzt singen, wenn ichs könnte! Alles Gute zum Geburtstag mein lieber Blogkumpan.

Hey und Peter Fox sowie Eko Fresh haben heute auch Geburtstag. Da ich aber in deren Musik nicht so bewandert bin, kommt hier jemand anderer, der auch mit Dir Geburtstag hat, Hank Thompson!

Hank Thompson war wohl einer der erfolgreichsten Countrystars in den USA. Seine Karriere verlief über sieben Jahrzente, in denen er über 60 Millionen Platten verkauft hat. Sein Leben hat die Vorlage zum Film Crazy Heart mit Jeff Bridges inspiriert. Und ich finde Rub-A-Dub-Dub könnte doch auch ein Geburtstagslied sein!

Happy Birthday Hank und Happy Birthday A-Ton

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03.09.2011, 22:11

Lieber Herr O-Ton,

vielen Dank für die lieben glückwünschenden Worte! Es ehrt mich sehr, seit nun mehreren Wochen mit dir diesen Blog zu führen, auch wenn es sicherlich oft schwierig ist für dich, Zeit zum Schreiben zu finden.

Ich will ja nicht undankbar klingen, aber es ist lustig, dass du mich ausgerechnet mit einem Country-Lied beschenkst. Denn Country ist, um es vorsichtig auszudrücken, eine Musikrichtung, die ich goutieren würde, wenn ich meinen Hörsinn verlieren würde. Trotzdem Danke! 😀

Mir fallen zu „Musik machendende Co-Geburtstagskinder“ noch ein: Jennifer Paige („Crush“), Gitarrist Steve Jones (Sex Pistols) und eher unbekannte Leute von Beach Boys, Thin Lizzy und Steppenwolf (okay, *mäh*, *eurgh*).

Von allen Nicht-Musikern haben außerdem heute ihren B’day: Jérôme Boateng (yummy!), Snowboard-Profi Shaun White (*kotz*), Ex-DSDS-Kandidat Alexander Klaws (ebenso), Comedian Mirja Boes (re-*kotz*), Jung-Schauspieler Garrett Hedlund (Wiki-Wissen wegen des Hank-Links: „Für den Soundtrack des Films „Country Strong“, in dem er Beau Hutton verkörpert, nahm er einige Lieder auf.“), Regisseur Noah Baumbach (cool!), tunesischer Ex-Diktator Ben Ali (höhö!) und natürlich Charlie Sheen. Und passend dazu: Adolf Fick (deutscher Physiologe, 1829-1901, ROFL). Okay, du siehst, die Geburtstagskind-Ausbeute ist für heute eher gering.

Ach ja, ich habe am Rande über simfy mitbekommen, dass Eko Fresh seit kurzem ein neues Album draußen hat. Interessiert mich…nicht die Bohne. Und irgendwie fand ich Seeed auch mal spannender, als Teen halt. Die erste Solo-Single von Peter Fuchs fand ich gut, dann…hmm. Seeed haben vor kurzem ja ein Musikvideo rausgegeben, neues Album kommt wohl bald, aber spannend finde ich diese auf Jan-Delay-Niveau befindliche Konsens-Urban-Truppe eher nicht so.

Und, ja, doch, ich würde dich gerne mal ein Ständchen singen hören. 😉

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Lieber Herr A-Ton,

ja, das Country-Stück war auch etwas der mangelnden Ausbeute bei den gleichzeitigen Geburtstagskindern geschuldet. Aber Du weisst ja, dass ich Folk und Americana ganz gerne habe und ich fand auch das Video irgendwie abgefahren. Solcher Country vermittelt mir immer ein Gefühl von einem großen und weitem Amerika (USA), jenseits der großen Städte. Eine Welt, die man sich nur erträumen kann, verschroben und irgendwie eigenartig. Diese Art zu reden allein schon…

Aber sonst ist Country, zumindest der klassische, auch nicht so mein Fall. Ich mag eher die Geschichten drum herum!

Ich bin stolz darauf, die vierköpfige New-Yorker-Band Hooray for Earth fast von allein entdeckt zu haben, ohne Empfehlung von Freunden oder Hilfe deutscher Musikzeitschriften (Musikexpress, Visions, Spex, Rolling Stone Deutschland). Die Band kennt hier auch kein Mensch. Bis jetzt…

Und auch nur indirekt hat mir der regelmäßig von mir angesteuerte Blog Pitchfork dabei geholfen. An einem Tag Anfang Juli wurde ihr zweites Album True Loves (2011) der Brooklyner rezensiert und bekam relativ gute 7.9 von 10.0 Punkten. Ich hakte die Indie-Synthie-Rock-Band trotz dieser guten Bewertung und dem niedlichen Goldbären-Albumcover (an Jeff Koons erinnernd) als just another indie band ab, las die Plattenbesprechung gar nicht mal durch und scrollte mich weiter.

Monate später durchforstete ich Metacritic nach den besten Alben des Jahres durch, da ich nach neuer und für sehr gut befundener Musik dürstete. Und da tauchte eben dieses Album mit dem Bären wieder auf. 84 von 100 Punkte ist ein sehr guter Wert bei acht Plattenkritiken. Da wurde ich neugierig, youtubte mich durch die Clips mit Standbild und mit offiziellem Musikvideo und war begeistert. Dann noch nach (legalen) Free MP3s gegoogelt und mich bis zur Sättigung durchgehört.

Gut, die Songs klingen beim ersten Hören schon etwas nach ätzend hedonistischer Hipster-Musik. Aber ich kann versichern, dass sie mehr tiefgängigen Groove und Seele besitzen als viele ihrer Brooklyner Musiker-Nachbarn. Für Fans von Cut Copy und des ersten MGMT-Album, würde ich sagen. Anspieltipps wären das knackige und groovende „No Love“ und das preschendere „Sails“ aus True Loves, das leicht roh klingende „Videostore“ aus der EP Cellphone (2008) und das melancholischer klingende „Surrounded by Your Friends“ aus der zweiten EP Momo (2009), wovon es auch dieses Musikvideo gibt:

Blöd ist nur, dass weder ihr gleichnamiges Debütalbum von 2006 noch das etwas intensiver von der Plattenfirma beworbene Album True Loves (2011) oder ihre EPs in Deutschland zu kaufen sind. Zumindest nicht in Plattenläden oder Amazon. Via simfy kann ich mir auch nichts von ihnen anhören. Digital gibt es True Loves wohl höchstens bei iTunes, wovon Mr. O-Ton ja profitieren kann. Doch du bist nicht sonderlich begeistert von ihrer Musik, oder?

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Foornographic!!!

Lieber Herr O-Ton,

es geht heute wieder um „queer ears“, bzw. diesmal auch um „queer eyes“. Ich nehme mal an, du hörst die Musik der Foo Fighters nicht sooo oft (ich tue es auch nicht), und du kennst dieses Video, außer du liest regelmäßig Stereogum (SPOILER ALERT!), hier unten noch nicht. Was würdest du wohl erwarten?

Parallelgedanke: puh, wenn schon die Foo Fighters so blank ziehen, was muss das bloß ein heißer August sein, den wir nur noch 1 1/2 Tage erleben werden? Homoerotischer war in Sachen Musik heuer noch kein Monat: der boyishe James Blake bandelt in „Fall Creek Boys Choir“ mit dem bär(t)igen Justin Vernon von Bon Iver an (meine heimlichen Fantasien wurden, zumindest musikalisch, erfüllt). Dessen Kollaborations-Kollege Kanye West macht seine Bromance mit Jay-Z öffentlich, in Form des gar nicht mal so ungelungenen Rap-Duett-Albums Watch the Throne (2011). Und Lady Gaga wird zum Drag King Jo Calderone und wollte als solcher bei den MTV Video Music Awards 2011 (vergangenen Sonntag) Britney Spears an die Wäsche…

Okay, ich muss erst einmal vorwegnehmen, dass dieser untere Clip namens „Hot Buns“ fake ist. Und dennoch frage ich dich, wofür werden die nackten vier Foo Fighters + der angezogene Ex-und-Wieder-Bassist Pat Smear am Ende werben? Oh, Nate Mendel…! Oh, Chris Shiflett…! 😉

Ich wette, die Besucherzahlen für unseren Blog werden ab sofort in die Höhe schnellen. 😀

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Lieber Herr A-Ton,

wie Du bereits richtig erwähnt hast höre ich die Musik der Foo Fighters tatsächlich nicht sooooo oft. Obwohl ich ja kein Verächter der etwas härteren Kost bin. Klar, die Zeit, die meinen Musikgeschmack geprägt hat begann mit Metallica und Konsorten, die dann von Nirvana abgelöst wurden. Heute fällt einem da die Unterscheidung zwischen Rock und Hardrock (…oder Metal) schwer, da viele Bands zwar harte Gitarren einsetzen, aber durchaus melodiösere und intelligentere Songs spielen. Das hatte wohl der Glamrock zuerst ausprobiert, der damals ja auch einen gewissen Sexappeal hatte. Heute dürfen die Jungs aber gerne wieder etwas kerniger sein. Nicht zuletzt, weil man ja auch die queer ears (eyes) erreichen möchte.

Wenn ich so drüber nachdenke scheine ich aber auf diesem Auge blind zu sein, nicht, weil ich die Foo Fighters nicht so sexy finde, sondern weil ich selten ein Bild zu den Musikern im Kopf habe. Klar früher, da fand ich Marky Mark endgeil und wegen Tony von East 17 hab ich mir sogar mal Löckchen machen lassen (uups, sowas sollte man eigentlich im Anekdotenschrank lassen…) Heute spielt das Aussehen für mich keine Rolle mehr. Ob das daran liegt, weil im Folk nur bärtige Männer vertreten sind…?

Aber um beim Thema Sex zu bleiben. Hier meine Top 5 „Musk beim Sex“

  1. Guru Jazzmatazz Volume 1
  2. Keith Jarrett,The Köln Concert
  3. The Necks, Sex
  4. Neil Young, Dead Man (Soundtrack)
  5. Sigur Ros, ( )

Und Ihre Top 5?

Als Schmankerl noch ein witziges Video von den finnischen The Crash, die dem Glamrock schon vor Mika zu einem Revival verhalfen! Bitteschööön:

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02.09.2011, 22:26

Hallo, lieber O-Ton,

super Thema: „Musik und Sex(yness)“. 🙂

Dennoch, ich komme mir gerade so oberflächlich, unerfahren und pervers vor, weil du gesagt hast, dass das Aussehen bei dir heutzutage keine Rolle mehr spiele beim Anhören von Musik gewisser Bands. Denn ich habe durchaus oft ein Bild im Kopf, wenn ich mir gewisse Songs mit Stimme anhöre. Auch bei Musik mit Sängerinnen. Geht aber meist eher nicht um das Sexuelle, sondern um das Gesamtpaket, das Multimediale, Mehrsinnliche und so.

Glamrocker fand ich noch nie wirklich sexy, weil ich nicht auf Plateauschuhe, rot gefärbte Haare, Trichterhosen oder sonstige Androgynismen stehe. Ansonsten finde ich dennoch viele übermännliche (Hard)Rocker und Metaller nicht zwangsläufig attraktiv. Gibt natürlich Ausnahmen. Allen Blickle, kurzhaariger Schlagzeuger der Progressive-Metal-Band Baroness. Und Brian Fallon, Sänger und Gitarrist von The Gaslight Anthem….uuuuh!

Und viele Folker sehen aus wie verwilderte Waldschraten, und einen Fetisch für den personifizierten Almöhi Jr. habe ich demnach auch nicht. Kann aber sein, dass manche Menschen auf Sam Beam (Iron & Wine) oder Robin Pecknold (Fleet Foxes-Sänger) stehen. Die sind mir irgendwie zu langweilig und eskapistisch, irgendwie verschroben, und doch zu harmlos, weil asexuell wirkend. Hacken lieber Holz. Gut, es gibt da eine Ausnahme, aber dieser hat sich ja mittlerweile zum Indie-Darling entwickelt: bei den Augen von Justin Vernon, Bon Iver, werde ich IMMER schwach!

Bei meinem ersten Mal lief Rosenstolz. Furchtbar. Beim letzten Mal lief der Soundtrack zu Good Night & Good Luck. Viel besser! Aber am liebsten möchte ich keine Frauenstimmen hören, wenn ich mit jemandem schlafe. Das fühlt sich fast so an, als würde man gerade einen Dreier mit Beth Gibbons (nichts gegen ihre fabelhafte Musik) oder, igitt, Barbra Streisand schieben. Weil ich mir ja nicht selten das Aussehen der SängerInnen mit zum Hörgenuss vorstelle. Nee, bitte nur Männerstimmen, wenn möglich auch mit erotisierendem Soul-Schmelz in der Stimme:

Meine TOP5 der besten Musik beim Sex (noch nicht ausprobiert):

1) James Blake – James Blake
2) The National – High Violet
3) D’Angelo – Voodoo
4) Washed Out – Within & Without
5) Spoon – Gimme Fiction

Oder Alben von Raphael (für Frankophile), My Morning Jacket, Blood Orange, Interpol, Caribou, The Afghan Whigs (für schroffere Momente) und The Jesus and Mary Chain („Just Like Honey“, of course). „Catch & Release“ von Silversun Pickups soll auch sehr sexy klingen. Destroyer, wenn man seine kauzige Stimme ertragen kann, Wild Beasts‘ aktuelles Album, wenn die polarisierenden Stimmen der Sänger nichts ausmachen. Wer Musik mit Frauensstimmen dennoch nicht abgeneigt ist, fährt mit Res, Anna Calvi, Hope Sandoval (Massive Attack mit „Paradise Circus“) oder Cat Power ziemlich gut, denke ich.

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Franz-Dinda-Tattoo "Elvis"

Ahoy, lieber Herr O-Ton,

auf ein Neues! In der Kalenderwoche 34 habe ich, wenn man meinem Last.FM-Account Glauben schenken sollte, am meisten die Musik der KünstlerInnen und Bands

#01 The Weeknd, #02 Anna Calvi, #03 Hooray for Earth, #04 Elliott Smith, #05 Adele, #06 Modest Mouse, #07 Brian Wilson und Dead Man’s Bones (unentschieden) und #9 Radiohead, James Blake und Björk (unentschieden) gleichermaßen oft gehört. Und du so?

Die Lieblingssongs der 34. Woche (22. – 28.08.2011) hingegen sind.

01 (NEU) Hooray for Earth – Surrounded by Your Friends
02 (NEU) Wild Beasts – Catherine Wheel
03 (NEU) Hooray for Earth – No Love
04 (NEU) Hooray for Earth – Videostore
05 (01) Anna Calvi – First We Kiss
06 (NEU) Best Coast – Our Deal
07 (02) Son Lux – All the Right Things
08 (10) Washed Out – Amor Fati
09 (NEU) James Blake & Bon Iver – Fall Creek Boys Choir
10 (NEU) Charlotte Gainsbourg – Second Chance

Ein wirklicher Geheimtipp ist die New Yorker Band Hooray for Earth. Auf die im Stadtteil Brooklyn wohnenden vier Musiker bin ich über die Seite Metacritic gestoßen, denn die sehr guten Kritiken ihres Albums True Loves (2011) wurden zur rühmlichen Punktzahl von 84 von 100 Punkten zusammengefasst. Gleich durch Free-MP3s nachgehört und für geil klingend, wenn auch etwas hipster-like befunden, und dann dir weitererzählt. Allerdings ist das Elektro-Synthie-Poprock-Album, das nach zwei EPs in den USA veröffentlicht wurde, nicht im deutschen Handel zu kaufen: physisch lediglich als Import und digital bloß über iTundra zu beziehen, glaube ich.

Dann die schillernde B-Seite „Catherine Wheel“ aus der Single des noch schöneren „Bed of Nails“ des britischen Indie-Art-Rock-Quartetts Wild Beasts. Sie hätte sich auch gut auf dem grandiosen Album Smother (2011) gemacht.

Neu steigt auch „Our Deal“ des Ami-Indie-Pop-Duos Best Coast aus dem letztjährig veröffentlichten Crazy for You (2010) ein, weil mich letzte Woche das Musikvideo zum süßen Song dazu so fasziniert hatte.

James Blake & Bon Iver, die stimmlich und optisch sexiesten Alternative-Musiker und verehrten Indie-Blog-Halbgötter 2011, haben sich musikalisch zusammengetan. Morgen wird die Single „Fall Creek Boys Choir“ veröffentlicht. Die zwei, denen beiden oft vorgeworfen wird, weinerliche Indie-Musik zu produzieren, haben ein trotzdem sinnliches Stück gezaubert, das mit weniger Autotune noch besser geklungen hätte.

Zu guter letzt Charlotte Gainsbourg. Was für eine tolle Frau sie ist, zeigt sie sowohl im Schauspiel als auch in ihrer Musik. Wenn beide Talente kombiniert werden, umso besser. Die EP Second Chance (2011) kommt bald heraus. Und das tolle Musikvideo zum Titelsong offenbart eine dritte Begabung der berühmten Tochter: Tanzen!

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Und hier meine Lieblingskünstler von letzter Woche:

01 (NEU) Son Lux
02 (1) Grizzly Bear
03 (NEU) Esperanza Spalding
04 (NEU) Hooray for Earth
05 (NEU) How to dress well
06 (NEU) Simon Rattle
07 (NEU) Sara Slean
08 (NEU) PJ Harvey
09 (NEU) The Felice Brothers
10 (NEU) Sia

Wieder mal bunt gemischt, da ich im Moment sehr kreuz und quer höre und immer noch ganze Alben durch! Son Lux hab ich am meisten gehört, obwohl wirklich nicht viel davon hängen blieb. Aber ich habs versucht, wie meine Charts beweisen. Grizzly Bear immer noch von dem beeindruckenden Soundtrack zu Blue Valentine. Esperanza Spalding höre ich immer mal gerne, es ist so erfrischend unideologischer Jazz, der so neu und anders klingt. Hooray for Earth kam von Herrn A-Ton angeflogen, verflog aber auch wieder, kommt aber bestimmt auch wieder zurück. In diesem Sinne sind auch How to dress well und Sara Slean Wiederkehrer, der erste älteren, der zweite jüngeren Datums. Simon Rattle hat mit dem City Of Birmingham Symphony Orchestra eine wirklich schöne Version der Sinfonietta eingespielt, dazu eine schöne glakolytische Messe, auch von Janacek, die aber im Gegensatz zu Sinfonietta noch moderner und expressionistischer ist. PJ Harvey mit ihrem neuen Album wird bestimmt auch wiederkehren auf dem virtuellen Plattenteller. Die Felice Brothers mussten sein, sozusagen als Vorbereitung für das Konzert am 1. Dezember, bei dem auch wieder der E-Gitarrenvirtuose A.A.Bondy im Vorprogramm sein wird *freu*. Sias Erste, ja ich hab sie mir angehört und erinnerte mich dunkel…