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Archiv des Autors: troglodytos

Franz-Dinda-Tattoo "Elvis"

Lieber Herr A-Ton,

für letzte Woche gibt es heute einmal meine Lieblingsalben zur Abwechslung:

01 Tori Amos – Night of Hunters
02 Ratatat – Ratatat
03 Serge Gainsbourg – Histoire de Melody Nelson
04 A.A. Bondy – American Hearts
05 Bon Iver – Bon Iver
06 The Salsoul Orchestra – Mixology: The Definitive Salsoul Mixes
07 The Kooks – Junk Of The Heart (Happy)                                                                                           08 Tori Amos – 2005-04-19: Paramount Theatre, Denver, CO, USA
09 Marina & The Diamonds – The Family Jewels
10 Bon Iver – For Emma, Forever Ago

Tori Amos habe ich hier jetzt eingeflickt, da ihre neue Platte Night of Hunters nur unscrobblebar zu hören war. Mittlerweile ist sie aber auch physisch erschienen. Ich bin immer noch hin und weg. Es ist das erst Tori Album seit langem, dass ich mal wieder auf Anhieb mag. Ganz und gar klassisch angelegt, scheint sie hier eine Art Tori-Essenz herausgeschält zu haben, die man hinter ihren Songs schon immer vermutete. Ratatat und Marina haben mir beim Packen für Frankreich den nötigen Drive verschafft, ebenso The Kooks deren neues Album herrlich belanglos ist. A.A. Bondy habe ich als Vorband von The Felice Brothers kennengelernt. Er spielt ein wunderbar sehnende E-Gitarre, die man auf dem Album American Hearts leider nicht so gut hören kann. Die Salsoul Mixes haben mich auf die Idee für den Artikel zu The Fortress of Solitude gebracht und passten wunderbar in diese Vorherbst Stimmung. Die restlichen Drei erklären sich aus dem Tonprotokoll.

Lieblings-Musikdienst der Woche ist spotify, den ich hier in Frankreich nutzen kann und dessen Player mir viel mehr gefällt als der von simfy. Lieblings-Straßenmusiker: Die Brassband am Sonntag Morgen am Garronne Ufer.

Und was lag bei Ihnen letzte Woche auf dem Plattenteller, Herr A-Ton?

Meilenstein oder Fußnote, Gedanken zu Serge Gainsbourg’s Histoire de Melody Nelson

Sehr geehrter Herr A-Ton,

das 1971 erschienene Konzeptalbum von Serge Gainsbourg erzählt eine Geschichte, wie das Konzeptalben so an sich haben. Die Geschichte handelt von einem mittelaten Mann, Serge Gainsbourg selbst, und einem knapp 15-jährigen Mädchen, Melody Nelson. Es zählt als eines der wichtigsten Alben Gainsbourgs, welches die Musik von vielen nachfolgenden Künstlern beeinflusst haben soll. Man muss dazu sagen, dass die Orchester und Chor Arrangements, die bei dem Album eine wichtige Rolle spielen, aus der Feder von Jean-Claude Vannier stammen. Es ist gerade mal 26 Minuten lang mit seinen 7 Tracks und weist eigentlich kaum eine klassische Songstruktur auf.

Das Ganze ist schon eine sehr ungewöhnliche Reise, denn das Album vermittelt sehr viel Atmosphäre, auch wenn man nicht des Französischen mächtig ist. Serge Gainsbourg erzählt mit seiner Stimme mehr als das er singt und obwohl das Wort Melody ständig vorkommt, vermisst man eine wiederkehrende Melodie eigentlich gänzlich. Aber das macht nichts. Die Instrumentalisierung ist so genial, dass sie einen durch das gesamte Album trägt. Die leichten Gitarren und Drums, der locker gespielte Bass hören sich immer mehr nach einer Jamsession an, schaffen es aber trotzdem mal dramatisch, mal unheimlich, mal fröhlich zu sein und so die Stimme von Serge stützen. Das wird immer mal wieder unterstützt von Orchester und Chor, oder manchmal auch nur von einer einzelnen Trompete oder einem Klavier.

Beim Hören bekommt man sofort ein französisches (Lebens-)Gefühl und hat Filme von Truffault oder (ich besonders) Éric Rohmer im Kopf. Ich mag die Leichtigkeit der Musik, die Stimme von Serge Gainsbourg, die Geigen und das alles auch heute noch ganz und gar aussergewöhnlich klingt. Die Videos sollte man sich allerdings nicht ansehen 😉

Für mich auf jeden Fall ein Meilenstein, auch heute noch!

 

 

 

Lieber Herr A-Ton,

an dieser Stelle mal eine Buchempfehlung! Jonathan Lethem erzählt in seinem Roman „Die Festung der Einsamkeit“ die Geschichte zweier Freunde, Dylan und Mingus (!), der eine weiß, der andere schwarz, die in den Siebzigern zusammen in Brooklyn aufwachsen. Das ganze Buch ist eine Hommage an die Musik dieser Zeit und an die Veränderungen, der sie damals unterlag. Funk, Soul, Disco, Punk und der frühe Rap aber auch Graffiti, Breakdance und Comics spielen natürlich eine zentrale Rolle. Das ganze Buch wird von einem Soundtrack begleitet, den ich mir beim Lesen nach und nach zusammengestellt hab. Für mich war das größtenteils musikalisches Neuland! Aber mit der Geschichte im Rücken, hatte man plötzlich sowas wie einen historischen Zusammenhang.

Neben dem von mir erstellten Soundtrack gab es auch noch einen, vom Autoren zusammengestellten Sampler, besser gesagt eine Playlist, mit viel Soul. Jetzt ist mit Mixology – The definitve Salsoul Mixes ein Sampler erschienen, der auch sehr gut zu dem Buch passen würde. Salsoul war ein New Yorker Plattenlabel, das maßgeblich den New Yorker Disco-Sound prägte. Die 3-CD Box ist auch bei simfy zu hören. Was nach Disco kam sehen wir hier:

Das war 1979! Und wie sehr das eine logische Fortsetzung von Disco war und wie Disco mit Soul, Funk und Jazz verknüpft ist, ist alleine schon ein spannende Geschichte. Die Festung der Einsamkeit erzählt diese und noch viel mehr! Viel Spaß bei der Lektüre!

Lieber Herr A-Ton,

aus gegebenem Anlass gibt es heute noch eine Geburtstagsgratulation. Weil wir uns vor kurzem über Glamrock und Drama in der Musik unterhalten haben, passt das glaube ich heute ganz gut rein.

Es geht um einen Künstler und eine Band, die natürlich zu meiner Zeit noch sehr präsent waren: Freddy Mercury, der heute 65 geworden wäre, und Queen.

Meine erste (Vinyl-)Platte von Queen war The Miracle. Ich weiss nicht mehr so genau warum und wie, aber ich hab sie von einem Freund bekommen, ich glaube, im Tausch gegen irgendwas anderes. Es ist dieses Album mit den vier Köpfen vornedrauf, die aber so zusammengeschnitten waren als wäre es ein Kopf mit vier Mündern und sechs Augen. Ich war so ungefähr 15 und kannte Queen noch nicht, weil wir hatten noch kein Musikfernsehen. Auf jeden Fall erinnere ich mich, dass ich das Cover immer wieder angucken musste, weil ich es so abgefahren fand. Damals wie heute, als Photoshopnutzer, denkt man sich natürlich, wie haben die das gemacht? Mein Lieblingssong war damals The Invisble Man, bei dem ich des öfteren meinen Hifi-Turm zum wackeln brachte, weil ich, pirhuettendrehend mit den Kopfhöhern auf, mal wieder gegen das Bett gekracht war.

Heute weiss ich, dass das Album und die nachfolgenden von den ersten Queen-Fans gehasst wurde, weil es, wie man heute sagen würde, zu sehr Pop war.

Wenn man sich heute Freddy Mercurys Perfomances oder Interviews anschaut, ist es natürlich klar, dass er schwul war. Aber ich glaube der großen Öffentlichkeit war das gar nicht bewusst. Ganz deutlich erinnere ich mich an den Tag an dem Freddy starb, da hat mein italienischer Kollege Giovanni, stockhetero, geweint.

Rein musikalisch ist Queen ja sehr unterschiedlich. Klar, der Fokus auf den Instrumenten und der Stimme blieb natürlich immer bestehen, aber man kann sagen, dass sie das Optimum an Spannweite geleistet haben, entsprechend ihren Fähigkeiten und den damaligen technischen Mitteln. Man denke nur an den Bogen von We will rock you oder We are the Champions zu so komplexen Songs wie Bohemian Rhapsody oder Innuendo! Diese Wandlungsfähigkeit hat ihnen glaube ich auch zu diesem Sonderplatz in der Musikgeschichte verholfen. Im Prinzip war das die gleiche Wandlungsfähigkeit wie bei Madonna oder David Bowie, deren Starkonzept bei neuen Platten komplett neu erfunden wurde.

Happy Birthday Freddy

Lieber Herr A-Ton,

ich würde ja jetzt singen, wenn ichs könnte! Alles Gute zum Geburtstag mein lieber Blogkumpan.

Hey und Peter Fox sowie Eko Fresh haben heute auch Geburtstag. Da ich aber in deren Musik nicht so bewandert bin, kommt hier jemand anderer, der auch mit Dir Geburtstag hat, Hank Thompson!

Hank Thompson war wohl einer der erfolgreichsten Countrystars in den USA. Seine Karriere verlief über sieben Jahrzente, in denen er über 60 Millionen Platten verkauft hat. Sein Leben hat die Vorlage zum Film Crazy Heart mit Jeff Bridges inspiriert. Und ich finde Rub-A-Dub-Dub könnte doch auch ein Geburtstagslied sein!

Happy Birthday Hank und Happy Birthday A-Ton

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03.09.2011, 22:11

Lieber Herr O-Ton,

vielen Dank für die lieben glückwünschenden Worte! Es ehrt mich sehr, seit nun mehreren Wochen mit dir diesen Blog zu führen, auch wenn es sicherlich oft schwierig ist für dich, Zeit zum Schreiben zu finden.

Ich will ja nicht undankbar klingen, aber es ist lustig, dass du mich ausgerechnet mit einem Country-Lied beschenkst. Denn Country ist, um es vorsichtig auszudrücken, eine Musikrichtung, die ich goutieren würde, wenn ich meinen Hörsinn verlieren würde. Trotzdem Danke! 😀

Mir fallen zu „Musik machendende Co-Geburtstagskinder“ noch ein: Jennifer Paige („Crush“), Gitarrist Steve Jones (Sex Pistols) und eher unbekannte Leute von Beach Boys, Thin Lizzy und Steppenwolf (okay, *mäh*, *eurgh*).

Von allen Nicht-Musikern haben außerdem heute ihren B’day: Jérôme Boateng (yummy!), Snowboard-Profi Shaun White (*kotz*), Ex-DSDS-Kandidat Alexander Klaws (ebenso), Comedian Mirja Boes (re-*kotz*), Jung-Schauspieler Garrett Hedlund (Wiki-Wissen wegen des Hank-Links: „Für den Soundtrack des Films „Country Strong“, in dem er Beau Hutton verkörpert, nahm er einige Lieder auf.“), Regisseur Noah Baumbach (cool!), tunesischer Ex-Diktator Ben Ali (höhö!) und natürlich Charlie Sheen. Und passend dazu: Adolf Fick (deutscher Physiologe, 1829-1901, ROFL). Okay, du siehst, die Geburtstagskind-Ausbeute ist für heute eher gering.

Ach ja, ich habe am Rande über simfy mitbekommen, dass Eko Fresh seit kurzem ein neues Album draußen hat. Interessiert mich…nicht die Bohne. Und irgendwie fand ich Seeed auch mal spannender, als Teen halt. Die erste Solo-Single von Peter Fuchs fand ich gut, dann…hmm. Seeed haben vor kurzem ja ein Musikvideo rausgegeben, neues Album kommt wohl bald, aber spannend finde ich diese auf Jan-Delay-Niveau befindliche Konsens-Urban-Truppe eher nicht so.

Und, ja, doch, ich würde dich gerne mal ein Ständchen singen hören. 😉

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Lieber Herr A-Ton,

ja, das Country-Stück war auch etwas der mangelnden Ausbeute bei den gleichzeitigen Geburtstagskindern geschuldet. Aber Du weisst ja, dass ich Folk und Americana ganz gerne habe und ich fand auch das Video irgendwie abgefahren. Solcher Country vermittelt mir immer ein Gefühl von einem großen und weitem Amerika (USA), jenseits der großen Städte. Eine Welt, die man sich nur erträumen kann, verschroben und irgendwie eigenartig. Diese Art zu reden allein schon…

Aber sonst ist Country, zumindest der klassische, auch nicht so mein Fall. Ich mag eher die Geschichten drum herum!

Lieber Herr A-Ton,

warum gefällt uns Musik? Was muss ein Musiktitel haben, um sich in unserern Ohren festzusetzen und danach zu verlangen noch mal gehört werden zu wollen?

Nicht selten sind es ja eben keine Töne, die unseren ersten Einsruck von einem Titel bestimmen, sondern Bilder auf Covern, Texte von Rezenseionen oder einfach Vorstellungen, die man hat, wenn man einen Bandnamen oder einen Songtitel hört. Es passiert einem ja immer seltener, dass man auf Sachen im Radio oder Fernsehen stößt, wo man direkt über das Hören Bekanntschaft mit einem Lied schliesst. Vielleicht gibt es das noch in der Disko oder in Klubs, im Café oder so. Aber wir beide wissen, es wird selten mal was gespielt, was man nicht schon kennt, was wir nicht schon kennen. Das LastFM Empfehlungsradio könnte so eine letzte Enklave des unmittelbaren Erstkontakts sein.

Also wir bekommen ein Gefühl für einen Song, bevor wir ihn gehört haben, vielleicht sogar eine Erwartung. Beim ersten Hören selbst bin ich meist ganz emotional, ob mir was gefällt hängt von meiner Stimmung ab und von meinen Erwartungen. Wenn mir dann mal was gefällt und ich es häufiger hören möchte, mache ich mir oft Gedanken über die Musikdramaturgie des Stückes. Denn oft gefallen mir Stücke, die einen bestimmten Spannungsbogen, die hin und her springen in den Tonarten und die mich somit emotional mitnehmen.

Was in der Klassik schon lange praktiziert wird, hat in der Pop- und Rockmusik nur vereinzelt Einzug gehalten und das einzige Drama das sich oft abspielte lag im Warten auf den Drumbreak. Aber je mehr Spannung und Drama ein Song hat, desto mehr gefällt er mir. Bin ich eine Drama Queen und gehört das in die Abteilung Queer Ear? Man spricht ja auch beim Eurovision Song Contest gerne von dem beliebten Keychange als Vorrausetzung für den Sieg. Aber zu einfach sollte das Drama dann für mich auch nicht sein. Daher hier ein klassisches Beispiel: Janaceks Sinfonietta (hier der letzte Satz)

Das Stück kenne ich seit über 12 Jahren und ich höre es immer wieder. Und immer wieder bekomme ich eine Gänsehaut. Es birst fast vor Spannung und gewährt immer nur eine kurze Erlösung, bevor ein anderes Instrument übernimmt. Drama at its best. Weitere Beispiele sollen folgen.

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29.08.2011, 14:45

Lieber Herr O-Ton,

du hast Recht: in Zeiten von non-existenten Musiksendern (ich bin mit MTVIVA aufgewachsen) und schwindenden interessanten Radioprogrammen mit guter Musik (ich bin mit dem geschmacklich zweifelhaften Sender SWR3 aufgewachsen) hört man selten einfach nur ganz unschuldig ein Lied. Man hört sich kaum noch aus Neugier und ohne Vorinformationen bewusst einen Song eines/-r unbekannten Künstlers/-rin/Band an. Und meistens trifft man bei der Auswahl von zu spielender Musik unbewusst schon Vorentscheidungen aufgrund verschiedenster Kriterien, die oftmals nicht unbedingt direkt mit der Musik zu tun haben.

Zum Beispiel:
– Ein schöner oder interessanter Band-/Künstlername: Dear Reader, Melody Gardot, Jackie-O Motherfucker, usw.
– Ein bestimmtes ansprechendes Cover: z.B. die berühmten Artworks von The Beatles, Nirvana, Arctic Monkeys
– Ein tolles Musikvideo: z.B. „Here It Goes Again” (OK Go), „Rabbit in your Headlights“ (UNKLE feat. Thom Yorke)
– Ein auf Pressefotos erkennbarer subtiler oder forcierter Sex-Appeal, der nicht unwesentlich ist: z.B. Toro Y Moi (subtil), Katy Perry (forciert), Joanna Newsom (früher subtil, heutzutage forciert)
– Ein bestimmtes (von den Medien geformtes) Image: good girl Taylor Swift, bad boy Tyler, the Creator, usw.
– Genre-Zuweisungen: z.B. James Blake als Poster-Boy des Post-Dubstep
– Oder biografische Eckdaten wie „wurde von David Bowie gelobt“, „hat als Maler gearbeitet“, „ist offen schwul/lesbisch/bisexuell“ (s. Jay-Brannan-Post).

Zum Drama-Faktor: oh, ja, Gänsehaut durch das Hören von Musik ist etwas ganz Besonderes, und diese bekomme ich dann immer…
– …wenn ein leiser Abschnitt eines Songs plötzlich laut wird, oder andersherum: so geschehen bei „Age of Adz“ (Sufjan Stevens), „You Think I Ain’t Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire“ (Queens of the Stone Age).
– …wenn in der Trackabfolge eines Albums nach vielen Up- und Mid-Tempo-Nummern plötzlich ein ruhiger und/oder minimalistischer Song folgt: z.B. „Codex“ (Radiohead), „Take the Box“ (Amy Winehouse), „Open Up Your Heart“ (The Rapture).
– …wenn tatsächlich ein wunderschöner Spannungsbogen innerhalb eines Songs oder einer Komposition nachzuvollziehen ist: „Hooting & Howling“ (Wild Beasts), „Auf Achse“ (Franz Ferdinand), „Hunter“ (Björk).
– …wenn Pop-/Indie-Rock-/Rap-/Soul-Songs so gefühlslandschaftlich großräumig, dramatisch, vielschichtig und reich orchestriert klingen, ohne dass sie gleich als Klassik-Flirt oder Ambient-Nachahmung gelten: „Femme Fetale“ (Aloe Blacc), „All of the Lights“ (Kanye West), „Diamonds Are Forever“ (Shirley Bassey).
– …wenn eine Stimme außergewöhnlich unter die Haut geht, sei es, weil sie so einzigartig klingt, so unfassbar sinnlich oder so grandios geschult ist: Scott Matthew in „For Dick“, Sivert Høyem in „Hands Up – I Love You“ (Madrugada), Anna Calvi in „No More Words“, nochmal Shirley Bassey in „Feelings“.
– …wenn ein bestimmter Knopf, der Knopf der Melancholie, gedrückt wird, weil der richtige Ton getroffen wurde, oder, wenn man so gerührt ist, dass man Tränen vergießen muss, ohne zu wissen, was diese wirklich ausgelöst hat: „Compass“ (Jamie Lidell), „Someone Like You“ (Adele), „Friend of Ours“ (Elbow).

Habe das Video zur „Sinfonietta“ noch nicht gesehen, wird aber nachgeholt…

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Lieber Herr A-Ton,

geht es Ihnen auch manchmal so, dass ihnen Musik ein zweites Mal begegnen muss, um nochmal so richtig ins Ohr zu gehen? Mir ist das letzte Woche direkt mit zwei Bands so gegangen: Body Bill und Grizzly Bear.

Body Bill wurden bei Zeit online im Rekorder gefeatured und da ich mich vage an den Bandnamen erinnern konnte, hab ich mir das Video mal angeguckt und dachte nur, eeeuuu, was für unsympathische Jungs das doch sind. Große Sonnenbrillen, Bärte, karierte Hemden oder Kinder-T-shirts/Shorts. Total indivudeller Berliner Massenchique also. Dann noch bei schlechtem Wetter auf einem Berliner Hochhausdach, mit tierisch kreativen Verkleidungen ihrer technischen Geräte. Ich habe den Satz im Ohr: „Ey, da machen wie einfach ganz viel Alufolie drum. Das wird geil!“ Trotzdem mag ich die Musik so gerne. Mist!

Berliner Jungs auf Hochhausdach angucken

Die zweite Band, die mir wieder begegnet ist, ist die us-amerikanische Folk-Rock Band Grizzly Bear. Und zwar habe ich mir den Film Blue Valentine angeschaut, eine nicht gerade massentauglicher Liebestragödie, mit vielen nahe gehenden Szenen, tollen Schauspielern und wunderschöner Musik. Den ganzen Film über dachte ich, wer hat nur diese schöne Musik gemacht, die ich in Ansätzen zu kennen glaubte. Ich wollte also die Endtitel auf jeden Fall ganz abwarten um mir die Musiktitel anzusehen. Musste ich aber gar nicht, denn schon an dritter oder vierter Stelle des Abspanns kam „Music by: Grizzly Bear“. Und auch sie habe ich mir dann mal wieder genauer angehört. Im Film war es sehr reduziert und folkig, auf dem Album klingen sie aber sehr elektronisch, auch wenn größtenteils akustische Instrumente verwendet werden.

Hier der Trailer zum Film, ohne die Musik von Grizzly Bear

…und hier noch eines meiner Lieblingslieder von Grizzly Bear als Video:

Beide Bands habe ich vor einiger Zeit entdeckt und viel gehört, dann aber wieder vergessen. ich finds aber schön, dass sie mir wieder begegnet sind!

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23.08.2011, 08:30

Salut, Herr O-Ton,

klar gibt es oft Musiken, die mindestens ein zweites Mal benötigen, um ins Ohr zu gehen. Z.B. für „Basic Space“ von The xx brauchte ich 20 Anläufe, bis ich es in mein Herz schloss…

Puh, das sind ja gleich drei Blogthemen in einem Post!

Grizzly Bear zum einen, von denen finde ich das hochgelobte und eher unfolkig klingende dritte Album Veckatimest (2009) echt gut. Der zurückhaltende Albumtrack „Cheerleader“ musste ich zum Gutfinden z.B. mir mehrere Male anhören, die Dreampop-Singles „While You Wait for the Others“ und „Ready, Able“ und natürlich „Two Weeks“ (siehe unten) hingegen fanden sofort in meinem Gehör Platz! Daraus könnte man einen neuen eigenständigen Blogeintrag in der Rubrik „Queer Ear“ erstellen, nicht wahr, Herr O-Ton?

Dann indirekt Ryan Gosling, den du oben leider nicht explizit erwähnt hattest, der aber als einer der Hauptdarsteller in Blue Valentine und genereller Schauspieler unglaublich brilliant ist. Außerdem macht der privat Jazz hörende Mime selber Musik und ist Teil des folkloristischen Indie-Pop-Duos Dead Man’s Bones. Ich schlage ein weiteres Abpflücken dieses Themas vor, das dann in einen neuen Post eingepflanzt werden könnte. Anspieltipp: „My Body’s a Zombie for You“ (unten ist ein inoffizielles Musikvideo zu sehen, nicht abschrecken lassen von dessen Wortwörtlichkeit).

http://vimeo.com/26811181

Und jetzt noch Bodi Bill. Ein Namensvetter von dir hört gerne Elektropop und IDM, hat sonst einen tollen Musikgeschmack, bei ihm jedoch sind ganz oben in der Last.FM-Statistik die deutschen Elektroniker Booka Shade und Bodi Bill. Die frühe Single letzterer Formation namens „I Love Holden Caufield“ gehört zu den seltenen Liedern, die, je öfter ich sie höre, immer schlechter werden, bis ich sie kaum noch anhören möchte. Das wäre dann wohl die Antithese zu deiner These am Anfang. Das liegt wohl an den billig und schal klingenden Beats. Und, was noch grütziger ist, ist der nicht zu leugnende deutsche Akzent des nicht Singen könnenden Sängers. Dass sie imagetechnisch die unoriginelle Berlin-Mitte-Hipster-Schiene, wie du oben schön nachskizziert hast, voll und ganz auffahren, überrascht mich nicht. Muss ich mir mit all den Vorurteilen und schlechten Song-Erfahrungen noch eines ihrer Alben anhören? Och nö…

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