Christopher Dallman

Huhu Mr. A-Ton,

habe ich doch neulich wieder eine der wenigen CDs augegraben, die ich in den letzten 10 Jahren wohl mit am meisten gehört habe: Race the Light von Christopher Dallman. Auf ihn aufmerksam geworden bin ich durch Samantha Murphy’s Podcast. In den Interviews mit unabhängigen Musikern zeichnete Samantha immer ein sehr persönliches Bild der Befragten und ergründete wie jeder der einzelnen Künstler sich so über die Runden schlägt. Jeder durfte auch ein Stück live spielen und oft habe ich mir danach mehr von ihnen angehört. Dabei habe ich so wunderbare Musiker entdeckt wie:

Gregory Page, Izzy Cox, Paul Chesne, Tom Brosseau oder Jared Scharff…

Einer aber hatte es mir am meisten angetan, und das war Christopher Dallman. Seine Songs haben sich direkt in mein Herz gespielt und ich habe Wochen damit zugebracht seine CD zu hören. Irgendwie dachte ich, wenn ich Gitarre spielen, Songs schreiben und Singen könnte, es würde klingen wie bei ihm. Dazu muss man sagen, dass das Album wirklich aussergewöhnlich gut produziert ist, für einen independet artist!

Dallmans Stil ist geprägt von einem sehr präzisen Gitarrenspiel. Saiten werden gezupft und geschlagen, wie ich es bisher nur selten gehört habe. Das ersetzt nicht selten ein Schlagzeug! Ein weiteres Merkmal ist seine hohe, klare Stimme, die beides vereint, Sehnen und Bodenhaftung! HInzu kommt, dass die Songs sehr klar sind, in Struktur und Dramaturgie. Es gibt kein Geschrummel, kein Genuschel, keine überflüssigen Arrangments. Jeder Ton ist da wo er hingehört und wo er Sinn macht. So ist Dallman zwar ein Singer/Songwriter, sein Stil ist aber alles andere als Folk sondern weisst eher Strukturen des Rock und Pop auf.

Von Anfang an hatte ich, nicht nur wegen der Texte, das Gefühl, dass Christopher Dallmann schwul sein muss, was mir dann seine 2009 erschienene single Anthem endgültig bestätigte. Hören Sie selbst Mr. A-Ton:

Christopher Dallman ist sehr aktiv bei Facebook, Twitter und google+ und spielt regelmäßig auf ustream.tv Songs in seinem Wohnzimmer.

Eine seiner letzten EPs versammelte einige Coverversionen von Songs von Britney Spears. Das auch deren Songs minimalistisch und klar arrangiert werden können, beweist Christopher Dallman in diesem Video, das auf einfache Art die Essenz Dallmans reduzierenden Stils einfängt.

Nur eine emotionale oder auch eine objektive Betrachtung, die ich Ihnen hier vorlege, Herr A-Ton? Manchmal vermischt sich das ja auch…

Ihr O-Ton

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10.08.2011, 15:05

Dear Mr. O-Ton,

ich höre gerade seine EP Never Was (2009) und bin, ich muss leider gestehen, nicht sehr beeindruckt von der Musik von Christopher Dallman. Es ist nicht einmal so, dass ich die Musik schlecht finde, aber sie berührt mich nicht.

Vielleicht bin ich auch einfach nicht in der Stimmung für seine poprockige Singer-Songwriter-Musik. Vielleicht ist es seine sehr poppige und allzu klare Stimme, die nicht unter meine Haut kriechen kann, nicht mein Herz trifft. Vielleicht fehlt da das gewisse Etwas, das die Musik für mich interessant macht.

Ich bin wohl einfach nicht der Minimalist in der Hinsicht, das Subgenre Acoustic liegt mir nicht, ich brauche mehr Stimme oder mehr Instrumentierung. Mir fehlt die Kante, die man dem großen Elliott Smith anhört (ja, man könnte auch „Geschrammel“ dazu sagen), den Schmelz wie bei Ray LaMontagnes Stimme, das Tiefgründige, das ich aus fast jeder Ballade von Beck heraushöre und -fühle. Man muss ja nicht gleich den Barden mit dem dauergebrochenen Herzen geben wie Damien Rice oder Scott Matthew.

Aber keines der vier EP-Songs darauf bleibt ausreichend hängen, auch bei der Single „Anthem“ und der dazugehörigen B-Seite „Over My Head“ ist das so. Sie klingen sehr, nun ja, gewöhnlich. Als ob ich seine Art zu singen, sein Gitarrenpicking, seine Melodien schon zu oft gehört habe. Vielleicht als Hintergrundmusik in Fernsehserien. Hmm. Erinnert mich an Joshua Radin. Sorry, nicht mein Fall. Trotz Queer-Bonus.

Best regards nevertheless

Mr. A-Ton

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11.08.2011 17:30

Liebster A-Ton,

es scheint mir, wir sind hier wieder bei einem Thema angelangt, von dem wir es schon vor kurzem hatten: Die Veränderung der Hörgewohnheiten. Wir hatten uns neulich über den Musikgeschmack meines dänischen Freundes unterhalten und meinen Versuch ihm die Kings of Leon näher zu bringen. Egal, was man von den Kings of Leon hält, geht es doch eher um etwas Grundlegendes in der Musikwahrnehmung. Meine Beobachtung/Einschätzung ist, dass sich Musikwahrnehmung und Hörgewohnheiten ändern, mit der Zeit und mit der Menge an Musik, die man konsumiert hat. Und das war bei meinem Freund eine Menge, bei mir schon viel und wird bei Ihnen, lieber A-Ton sich auch anhäufen, in den Jahren die da kommen.

Ich scheine im Moment in einer Zwischenphase zu sein, dem Neuen noch offen (und ich hoffe, das bleibt noch sehr lange so…) aber auch mit einem wachsenden Bedürfnis nach Einfachheit, Klarheit und Qualität. Und da ich Bachs wohltemperiertes Klavier, die Schlager der 20er Jahre und eine, erst kürzlich beendete Phase mit 60er/70er Soul schon durch habe, bin ich jetzt beim „Subgenre Acoustic“ gelandet. Also nur eine Ruhephase oder meine Final Destination? Es bleibt spannend…

Oder waren es einfach jene Zeilen, die in jenem Jahr so scharf auf mich und meine Beziehung zutrafen:

„And all my friends agree
You must be the devil….“

Ich bin gespannt auf welchen Tönen sich Sie einst ausruhen werden, Herr A-Ton😉

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14.08.2011, 18:38

Lieber Herr O-Ton,

du hast Recht, Hörgewohnheiten ändern sich im Laufe eines Menschenlebens. Ich selber habe das letztes Jahr sehr bewusst wahrgenommen. Bands, die man früher abgöttisch geliebt hat, will man gar nicht mehr so richtig gut finden, obwohl sie einen Teil des Lebens mit beeinflusst haben. Sie sind einem dann irgendwie peinlich, wenn sie – wie bei mir – fest auf Last.FM in der Statistik dokumentiert sind.

A-Tons Ex-Lieblingsbands und -KünstlerInnen: Editors, The Cardigans, Travis, Cold War Kids, Kings of Leon (oh, doch), Bloc Party, Maxïmo Park, Coldplay, Duffy, The Wombats, Damien Rice, The Killers, Klaxons und The Ting Tings gehören dazu.

Höre ich alles nicht mehr. Es klingt vielleicht sehr vermessen, aber für mich sind das Einsteiger-Bands für „Indie“-/“Alternative“-HörerInnen. Auch, dass mein Musikgeschmack erwachsener und anspruchsvoller geworden ist. Ich bin offener für Avantgardistisches geworden, für ältere Alben von verehrten Bands und KünstlerInnen – Marvin Gaye, Television, Kraftwerk – ebenso. Ich liebe mittlerweile das krasse letzte Portishead-Album Third (2008), Anstrengendes und Semi-Experimentelles wie die letzten Alben von Sufjan Stevens, Gang Gang Dance (Songs, die über 10 Minuten dauern) oder SALEM (Noise-Musik) hätte ich früher nicht konsumieren können. Stecke ich nun in einer zweiten Pubertät, Sturm und Drang 2.0?

Irgendwann werde ich schon ruhigere Töne anschlagen lassen. Dann werde ich wieder mehr nach Klarheit und Einfachheit streben. Aber der banale Dallman wird sehr wahrscheinlich nicht Teil davon sein. Immerhin liebe ich das zweite Adele-Album! Und Kaputt (2011) von Destroyer! Bei letzterem Künstlernamen und dem dazugehörigen Albumtitel: Nomen non est omen.🙂

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